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Speak up! Jede Stimme kann Leben retten

  • 18. Feb.
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 21. Feb.

"Speak up" heißt: die eigene Stimme erheben, wenn Sicherheit auf dem Spiel steht. ​Wer im medizinischen Alltag einen Fehler beobachtet, eine gefährliche Entwicklung bemerkt oder schlicht ein ungutes Gefühl hat, sollte den Mut finden, das anzusprechen – unabhängig von Rolle oder Hierarchie. Das gilt für Pflegekräfte, Ärzt:innen, Rettungsdienst oder Verwaltung ebenso wie für Patient:innen und Angehörige.


Dabei geht es nicht um Schuldzuweisung, sondern um Risikovermeidung. Patientensicherheit entsteht nicht allein durch Leitlinien und Checklisten, sondern durch Aufmerksamkeit, Kommunikation und die Bereitschaft, Unsicherheiten offen zu benennen. Im besten Fall ist jede an einer Behandlung beteiligte Person ein eigener Sicherheitsschirm für den Patienten.


Fehler passieren – Schweigen darf keine Option sein


Viele schwere Behandlungsfehler stehen im Zusammenhang mit unterbrochener oder unzureichender Kommunikation. Hinweise werden überhört, Zweifel nicht ausgesprochen oder Warnsignale nicht weiterverfolgt. Sicherheitsforschung zeigt, dass insbesondere ausgeprägte Hierarchien und die Sorge vor negativen Konsequenzen dazu führen können, dass Mitarbeitende oder Angehörige ihre Beobachtungen zurückhalten – selbst bei konkreten Risiken. Patientensicherheit hängt daher wesentlich davon ab, ob es gelingt, diese Dynamik des Schweigens zu durchbrechen.


Eine Frage der Organisationskultur


„Speak up“ darf nicht vom persönlichen Mut Einzelner abhängen. Entscheidend sind verbindliche Rahmenbedingungen: klar geregelte Eskalationswege, dokumentierte Aufnahme von Warnhinweisen, definierte Verantwortlichkeiten und transparente Rückmeldungen über getroffene Entscheidungen. Nur wenn Hinweise nachvollziehbar geprüft und systematisch ausgewertet werden, entsteht Verlässlichkeit. Wo solche Verfahren etabliert sind, wird „Speak up“ nicht als Störung verstanden, sondern als integraler Bestandteil professioneller Qualitätssicherung.


Mut zur Unterbrechung


In Hochrisikobereichen wie dem Operationssaal, der Notaufnahme, der Intensivstation oder im Rettungsdienst wird deshalb das sogenannte „10-for-10“-Prinzip zunehmend als Sicherheitsinstrument eingesetzt: Zehn Sekunden bewusstes Innehalten können verhindern, dass sich Fehler fortsetzen oder eskalieren. Vor dem Hautschnitt wird nochmals geprüft, ob Patient:in, Eingriff und Körperseite korrekt sind. In der Notaufnahme kann vor der Gabe eines Medikaments ein kurzer Abgleich von Identität und Dosierung erfolgen, im Rettungsdienst vor einer invasiven Maßnahme eine gemeinsame Neubewertung der Lage. Entscheidend ist jedoch, dass jede Person im Team – unabhängig von Erfahrung oder Position – sich tatsächlich traut, Bedenken zu äußern und eine solche Pause einzufordern. Nur dann erfüllt das Prinzip seinen Zweck.


Warnsignale von Angehörigen ernst nehmen


„Speak up“ bedeutet auch, Patient:innen und Angehörigen aktiv Raum zu geben. Sicherheit entsteht dort, wo Hinweise nicht nur gehört, sondern geprüft und transparent rückgemeldet werden. Gerade im Bereich der Kinderheilkunde zeigen Studien (siehe z.B. Lancet-Artikel, Stand 2025), dass elterliche Sorge ein relevanter Hinweis auf eine klinische Verschlechterung sein kann. Eltern bemerken häufig frühzeitig subtile Veränderungen im Zustand ihres Kindes, noch bevor objektive Parameter eine deutliche Verschlechterung anzeigen. Werden diese Warnhinweise ernst genommen und strukturiert in die Entscheidungsprozesse einbezogen, kann dies zur frühzeitigen Intervention beitragen und schwere Verläufe verhindern.

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