
Medientipps
Handverlesene Beiträge und weiterführende Einblicke
Hinweis zur Auswahl
In diesem Bereich verlinken wir eine kuratierte Auswahl an Medien - Grundlagentexte, TV-Beiträge, Lesetipps. Wir verlinken sie, weil sie Behandlungsfehler sachlich aufarbeiten, strukturelle Probleme sichtbar machen oder zur öffentlichen Aufklärung und Prävention beitragen. Die Auswahl erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Grundlagentexte
Globaler Aktionsplan für Patientensicherheit 2021–2030 (deutsch)
Patientensicherheit ist ein zentrales Gesundheitsziel der WHO. Mit dem Aktionsplan zur „Dekade der Patientensicherheit“ stellt sie einen internationalen Rahmen mit konkreten Maßnahmen und Best Practices vor, um vermeidbare Schäden in der Gesundheitsversorgung systematisch zu reduzieren.
Nationales Gesundheitsziel Patientensicherheit
Die Veröffentlichung des Nationalen Gesundheitsziels Patientensicherheit am 16. September 2022 setzte einen elementaren Impuls für mehr Patientensicherheit in Deutschland. Erstellt gemeinsam mit über 140 Akteur:innen aus Gesundheitswesen, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft benennt die Publikation konkrete Ziele und Maßnahmen, insbesondere zur Stärkung der Patientensicherheitskultur und der Patientensicherheitskompetenz im Gesundheitswesen.
Fachbeiträge
Stärkung und Weiterentwicklung der Patientenrechte in Deutschland (SoVD) 31. 12.2021)
Das Gutachten des Sozialverband Deutschland (SoVD) analysiert die Rechtslage zu Patientenrechten in Deutschland (trotz Stand 2021 immer noch sehr aktuell) und zeigt erhebliche strukturelle Defizite bei Durchsetzung, Transparenz und Beweislast auf. Es kommt zu dem Schluss, dass Patient:innen im Falle von Behandlungsfehlern weiterhin deutlich benachteiligt sind und formuliert konkreten Reformbedarf.
Das APS-Weißbuch Patientensicherheit (2018)
Das vom Aktionsbündnis Patientensicherheit e. V. gemeinsam mit dem Verband der Ersatzkassen (VDEK) vorgelegte Weißbuch analysiert zentrale Risiken der Patientensicherheit in Deutschland und benennt konkrete Handlungsfelder. Es formuliert praxisnahe Empfehlungen, wie Sicherheitskultur, Meldewege und Lernen aus Fehlern systematisch verbessert werden können.
Online-Vorträge
Denk an Lönne. Medizinische Fehlerkultur ist aktiver Patientenschutz. Und geht uns alle an (17.09.2025)
Vortrag von Martje und Niklas Ratzow, beide Mitglieder von Fokus Behandlungsfehler, auf der Veranstaltung des Aktionsbündnis für Patientensicherheit anlässlich des Welttags der Patientensicherheit 2025 in Berlin. Ein Bericht über den Tod ihres Sohnes Lönne durch schwere Behandlungsfehler im Rettungsdienst und ihre Erfahrungen als Opfer von Behandlungsfehlern mit der med. Fehlerkultur und Justiz in strafrechtl. Medizinverfahren.
TV-Beiträge
ARD/BR: Wenn Ärzte Fehler machen - wer hilft den Patienten? (23.04.2025)
Der Beitrag fokussiert die Perspektive der Betroffenen nach einem Behandlungsfehler: Welche Wege stehen offen, wer berät, und wo stoßen Patient:innen in Gutachter-, Schlichtungs- und Rechtssystemen an Grenzen? Auch Joachim Greuner, Gründungsmitglied und 2. Vorstand von Fokus Behandlungsfehler e.V., kommt darin zu Wort.
ARD/SWR: Falsche Behandlung – Wenn Ärzte Fehler machen (27.11.2024)
Die Reportage untersucht konkrete Behandlungsfehler in der medizinischen Praxis und fragt, wie es trotz Standards zu falschen Entscheidungen kommt. Sie legt den Schwerpunkt auf Ursachen im Versorgungsalltag, Verantwortungsketten und fehlende Sicherheitsmechanismen.
3sat/NANO Doku: Todesfalle Krankenhaus? Fehler vermeiden – Menschen retten (07.05.2026)
Die Dokumentation zeigt anhand konkreter Fälle, welche schweren Folgen vermeidbare Fehler im Krankenhaus haben können. Im Fokus stehen Risiken wie Sepsis, Fehldiagnosen, Medikationsfehler und Krankenhausinfektionen sowie Ansätze, mit denen Patientensicherheit verbessert werden kann – von Screening-Verfahren bis zu Fehlerkultur und Training.
Youtube: Just a routine operation - der Fall Elaine Bromiley (2012)
Eine Videodokumentation über den tragischen Fall Elaine Bromiley, die bei einer Routineoperation aufgrund von Fehlern bei der Narkoseeinleitung verstarb. Ein sehr guter und sehenswerter Film - und einer DER zentralen Katalysatoren für die Übertragung der Gedanken zum CrewResourceManagement von der Luftfahrt auf die Medizin. Der Ehemann Martin Bromiley, Berufspilot und daher sehr mit Sicherheitsdenken vertraut, gründete die Clinical Human Factors Group (CHFG) um die Patientensicherheit im Gesundheitswesen zu verbessern.
Youtube: 40 Jahre Björn Steiger Stiftung (15.09.2012)
Die Björn Steiger Stiftung hat die Notfallversorgung in Deutschland maßgeblich geprägt und damit einen zentralen Beitrag zur Patientensicherheit geleistet – etwa durch den Ausbau des Rettungswesens, den Notruf 112 und Standards in der Notfallmedizin. Der verlinkte Jubiläumsfilm zeigt, wie aus einem tragischen Einzelfall nachhaltige strukturelle Verbesserungen entstanden sind, die bis heute Leben retten.
NDR: Gutachten zum Tod der kleinen Line (17.04.2025)
Im April 2024 stirbt die kleine Line in einem Hamburger Krankenhaus. Ein medizinisches Gutachten kommt zu dem Schluss, dass ihr Tod mit großer Wahrscheinlichkeit vermeidbar gewesen wäre. Michelle Bayona, Lines Mutter und 1. Vorsitzende von Fokus Behandlungsfehler e. V., berichtet in dem Beitrag, dass sie weder ausreichend aufgeklärt wurde noch ihre Hinweise auf eine Verschlechterung ernst genommen wurden.
Bücher und Artikel
Komm schnell, sie holen ihn jetzt (Timofey Neshitov, Der Spiegel, 25.06.2022)
Der Spiegel-Artikel berichtet von Silja Greuner, die im Mai 2019 im Alter 37 Jahren infolge schwerer medizinischer Versäumnisse verstarb – ebenso wie ihr ungeborener Sohn Maxim. Ihr Ehemann Joachim Greuner schildert den Umgang mit fehlender Aufklärung, widersprüchlichen Informationen und einer belastenden Aufarbeitung. Joachim ist Gründungsmitglied und 2. Vorsitzender von Fokus Behandlungsfehler e V.
Nils: Von Tod und Wut. Und von Mut. (Melanie Garanin)
„Kein Mensch kann den anderen von seinem Leid befreien; aber er kann ihm Mut machen, das Leid zu tragen.“ (Selma Lagerlöf) Die Kinderbuchillustratorin Melanie Garanin verarbeitet den Tod ihres jüngsten Sohnes infolge eines Behandlungsfehlers in einer Graphic Novel. In Zeichnungen hält sie Verzweiflung und Wut ebenso fest wie Erinnerungen, Nähe und leise Momente von Humor. Ein Buch, das nichts beschönigt und doch Mut macht.
Rezension in Deutschlandfunk (01.09.2020)
Du hättest leben können (Stefanie Bachstein, 2002)
Das Buch schildert eindringlich den Trauerweg einer Mutter, die nach dem Tod ihrer siebenjährigen Tochter unter einem Pseudonym schreibt. Jule wird auf dem Schulweg von einem Auto erfasst und stirbt noch im Rettungswagen – nicht an ihren Verletzungen, sondern infolge einer fehlerhaften Intubation. Mit großer Offenheit beschreibt die Autorin den langen und schmerzhaften Prozess der Verarbeitung dieses tragischen Geschehens.
Rezension im Ärzteblatt (08/2023)
