
Für Betroffene
Informationen für Opfer schwerer Behandlungsfehler
Die bittere Wahrheit: Das deutsche Gesundheits- und Rechtssystem lässt Menschen nach schweren Behandlungsfehlern häufig im Stich. Wer einen massiven Behandlungsfehler vermutet, steht hierzulande oft völlig allein da. Mitten im Schock, in der Trauer oder selbst gesundheitlich eingeschränkt, beginnt ein langer, zermürbender Weg - ohne Garantie auf Aufklärung, Entschädigung oder gar Gerechtigkeit.
Unsere Erfahrung ist: Auf Rückfragen erleben Betroffene Schweigen oder sogar Abwehr. Verantwortung wird abgewiegelt, Schuldfragen werden juristisch abgeschirmt. Aus Angst vor Konsequenzen spricht man lieber nicht offen mit den Patient:innen und lässt sie mit drängenden Fragen und schwerwiegenden Folgen allein.
Lohnt es sich? Das ist schwierig vorherzusagen. Klar ist: Wer Aufarbeitung will, muss selbst aktiv werden – mit wenig Aussicht auf Gerechtigkeit und oft unter erheblichem finanziellem und psychischem Druck. Wir wissen, dass es nicht leicht ist, diesen Weg zu gehen und haben für jede:n Verständnis, der sich dagegen entscheidet. Gleichzeitig möchten wir Sie ermutigen: Wenn Sie die Kraft haben, gehen Sie dem nach. Für sich selbst und all die anderen.
Denn letztlich braucht es endlich einen Systemwandel: Eine funktionierende Fehlerkultur, unabhängige Strukturen zur Aufklärung und eine konsequente Stärkung von Patient:innenrechten – all das fehlt bis heute. Dafür setzen wir uns systemisch ein: mit aller Kraft, aus eigener Betroffenheit.
Sie sind kein Einzelfall!
Wie viele schwere Behandlungsfehler in Deutschland tatsächlich passieren, weiß niemand genau. Bis heute gibt es keine flächendeckende, verpflichtende Erfassung. Die veröffentlichten Zahlen des Medizinischen Dienstes (MD) und der Schlichtungsstellen der Ärztekammern bilden dabei nur einen Ausschnitt ab. Die Dunkelziffer dürfte viel höher sein: Für Todesfälle im Zusammenhang mit Behandlungsfehlern wird Schätzungen zufolge von etwa 17.000 Fällen jährlich in deutschen Krankenhäusern ausgegangen.
