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Pressekommentar zu Behandlungsfehlerzahlen Hessen

  • 28. Juli
  • 2 Min. Lesezeit

Michelle Bayona ist Vorstandsvorsitzende von Fokus Behandlungsfehler e.V. © Henning Angerer


Frankfurt / Hamburg, 28. 7. 2026 – Die Landesärztekammer Hessen hat für das Jahr 2025 neue Zahlen zu den bei ihrer Gutachter- und Schlichtungsstelle eingereichten Verdachtsfällen auf Behandlungsfehler veröffentlicht (hier). Michelle Bayona, 1. Vorsitzende von Fokus Behandlungsfehler e.V., erklärt, warum diese differenziert eingeordnet werden sollten:


„Dass die Schlichtungsstelle ihre Zahlen veröffentlicht, ist ein wichtiger Beitrag zur Transparenz. Die Schlussfolgerung der Landesärztekammer Hessen ist jedoch irreführend: Die Zahl der anerkannten Behandlungsfehler erlaubt keinen verlässlichen Rückschluss auf die tatsächliche Behandlungsqualität. Sie erfasst nur die Fälle, die überhaupt den Weg in ein Schlichtungsverfahren gefunden haben und dort anerkannt wurden. Die anerkannten Fälle sind nur die Spitze des Eisbergs - es gibt eine hohe Dunkelziffer. So verweist der Medizinische Dienst Bund auf Studien, nach denen lediglich rund drei Prozent der vermeidbaren Schadensfälle weiterverfolgt und statistisch erfasst werden.


Hinzu kommt, dass es keine generelle Pflicht wie beispielsweise in England gibt, Patientinnen und Patienten proaktiv über einen vermuteten Behandlungsfehler zu informieren. Viele Betroffene erfahren daher nicht, ob bei ihrer Behandlung ein Fehler passiert ist. Ohne juristische Unterstützung ist es für sie zudem schwierig, die Rechtslage und ihre Handlungsmöglichkeiten zu überblicken. Dadurch können sie ihre Ansprüche oft nicht wirksam geltend machen; zugleich bleiben zahlreiche Fälle statistisch unerfasst. Das trägt zur hohen Dunkelziffer bei und erschwert Transparenz, einen fairen Umgang mit Betroffenen sowie wirksame Prävention.


Deutschland hat bei der Patient:innensicherheit und der fairen Aufarbeitung von Behandlungsfehlern erheblichen Nachholbedarf. In einem komplexen Gesundheitssystem passieren Fehler. Entscheidend ist deshalb eine Fehlerkultur, in der vermeidbare Behandlungsfehler offen benannt, unabhängig aufgearbeitet und für konkrete Verbesserungen genutzt werden. Bis heute fehlt jedoch bereits eine bundesweite, transparente Datengrundlage zu vermeidbaren Behandlungsfehlern.


Umso wichtiger ist es, dass die Stärkung der Patient:innenrechte wieder auf der politischen Agenda steht. Der aktuelle Gesetzentwurf der Grünen-Fraktion versucht zumindest, einige grundlegende Benachteiligungen von Betroffenen zu korrigieren und die Verfahren fairer zu gestalten. Andere Länder wie Dänemark zeigen, dass auch eine niedrigschwellige und nicht vorrangig auf Schuld ausgerichtete Aufarbeitung und Entschädigung möglich ist.“



Weiterführende Informationen:

  • Zur Zahl der Behandlungsfehler und Definitionen, Website-Artikel Fokus Behandlungsfehler e.V. 2026

  • Zur Angabe, dass nur rund drei Prozent aller vermeidbaren Schadensfälle nachverfolgt und statistisch erfasst werden, Pressemitteilung Medizinischer Dienst Bund 2025 

  • Zur fehlenden generellen Offenlegungspflicht, Website-Artikel Fokus Behandlungsfehler e.V. 2026 

  • Zum Gesetzentwurf zu Änderung des Patientenrechtegesetzes, Website-Artikel  Bundestag 2026 

  • Politische Forderungen von Fokus Behandlungsfehler e.V., Website-Artikel. 2026


Logo Fokus Behandlungsfehler e.V.

Achtung Redaktionen: Schriftliche Rückfragen bitte an info@fokus-behandlungsfehler.de. Telefonkontakt zu Michelle Bayona: Tel. 0160-95698261 (nur für Presse). Zum Hintergrund der Vorstandsmitglieder, Bildmaterial zum Download, Website: www.fokus-behandlungsfehler.de



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